Die Depression – das Ergebnis unterdrückter Lebensdynamik

 

Drei Beispiele tiefenpsychologisch wichtiger Grundmotive der Depression und deren zugehörige homöopathische Arzneien

 

Gerade in der heutigen Zeit, ist die Depression ein weit verbreitetes Thema.

Betrachtet und erfaßt man betroffene Patienten genauer, d. h. mit Intuition und Gefühlen statt nur mit den üblichen Sinnen, so erscheinen diese Menschen oft unterschwellig wie eine tickende Bombe. Die Energie die sich hinter dem oftmals jämmerlich und traurig wirkenden Patienten staut, ist deutlich zu spüren. 

 

Die Patienten selbst fühlen sich oft schwach. Hinter dieser Kraftlosigkeit jedoch steckt ein verdrängtes, nicht gelebtes Potential. Die bestehenden Konflikte die diese Menschen betreffen, haben sie bisher daran gehindert, ihre Lebensenergie konstruktiv zu nutzen.

Therapeuten, die auf dem Gebiet „Depression“ erfahren sind, wissen wie aggressiv ein Patient während einer erfolgreichen, z. B. homöopathischen Therapie reagieren kann wenn sich seine verdrängten Potentiale öffnen. Diese Aggression ist das wesentliche Ventil, um die gestaute Lebensenergie frei zu lassen.

Sicherlich ist der unerfahrene Therapeut zunächst erschrocken zumal es nahe liegt, dass der Patient seine Aggressionen gegen den Therapeuten richtet. Dieser Vorgang ist völlig normal, da der Therapeut häufig einen Elternteil des Patienten vertritt, mit welchem bis heute ungelöste Konflikte bestehen.

Somit ist das aggressive Verhalten des Patienten als Erfolg anzusehen. Gelöst ist das eigentliche Problem der wesentlichen Krankheit damit aber noch lange nicht.

Die wichtigen tiefenpsychologischen Hintergründe der Depression müssen aufgedeckt werden. Betrachten wir allerdings die gewöhnliche homöopathische Erstanamnese eines Depressionspatienten, so erscheinen in der Repertorisation zunächst einmal die umfangreichen Mittel die zahlreiche Symptome enthalten, die so genannten Polychreste. An der Spitze befindet sich meist Lachesis, mit der psychologischen Bedeutung „Unterdrückte Individualität“, „Natrium muriaticum“ „Festhalten an dem, was bewährt und bekannt ist“, sowie Sepia Succus „Sehnsucht nach Harmonie, die den eigenen Vorstellungen entsprechen muß“.

 

Weitere zugehörige Arzneien sind Arsenicum album „Existenzangst, lieber sterben als sich verändern“, Calcium carbonicum, „sich dem Leben verweigern und Unterstützung wollen“  sowie „Aurum metallicum“, „fehlendes Selbstwertgefühl“.

Betrachten wir die psychologischen Bedeutungen dieser Arzneimittel, so können wir einen Zustandsbericht des Patienten erkennen und vielleicht schon Rückschlusse auf sein „tiefes“, die Depression auslösendes Thema, ziehen.

Die seelische Situation, „sich klein machen und seine eigene Person nicht leben“, ist die Basis einer Depression. Das auslösende Grundmotiv, für die Depression muß aber entdeckt werden.

Bei den Gründen der Depression handelt es sich oft um kritiklos übernommene Glaubenssätze von Familienangehörigen, wie auch belastende, oft mitgebrachte Erlebnisse, die bewirkt haben, dass der Patient sich nicht mehr traute, seine Potentiale zu leben und einzusetzen.

Oft sind Lust, Genuß und Freude in einem Familienverbund verboten oder zumindest nicht üblich, so daß die eigenen Potentiale zurückgehalten werden müssen um zur Gemeinschaft zu gehören.

Die Polychreste bewirken nun, dass das gestaute und unterdrückte Potential aufbricht, aber eben nur aufbricht. Die Situation des Patienten wird dadurch oftmals noch problematischer, als sie ohnehin schon war. Der auslösende Konflikt wird für den Patienten spürbarer und wird nun besonders kontrolliert. 

Da die Grundkonflikte nicht gelöst sind, findet der Patient keine Erleichterung. Er erlebt, dass es die negativen Bewertungen sind, mit welchen er sich selbst beurteilt, die ihn abhalten seine Lebensenergie fließen zu lassen und sein Leben zu genießen. 

Im Folgenden werden beispielhaft drei kleine homöopathische Arzneien, die die Konfliktursache für Depressionen beinhalten, vorgestellt.

Beginnen wir mit „Lepidium bonariense“, der Kresse. In dieser Arznei ist die Lebenssituation eines Menschen zu finden, der auf engstem Raum eingeengt ist. „Glaubt sich im Grab zu befinden, glaubt eingemauert zu sein“, sind wahlanzeigende typische Symptome von Lepidium. Diese  beschreibt die Situation die hinter Lepidium steckt. 

  • „Eingeschlossen sein,
  • „Isoliert sein“,
  • „nicht dazugehören“,
  • „aus einer einengenden Situation nicht herauskommen,“
  • „keinen Kontakt mit anderen gewinnen können“,

all dies ist als traumatisierende Lebenserfahrung in „Lepidium“ enthalten. Manch Depressivem sind diese Situationen mehr als bekannt.

 

Bringt ein Patient schicksalhaft das Erlebnis und den Schock des „eingemauert seins“ mit, wird er sicher Schwierigkeiten haben, sich selbst zu entfalten.

Jegliche Form von Ablehnung, Bestrafung und fehlende Zugehörigkeit kann diese Situation des „Eingemauert seins“ wieder auslösen. Erst wenn diese vermutlich alte mitgebrachte Erfahrung des „Eingemauert seins“ und alle damit verbundenen, weiteren Schocks enttraumatisiert sind, kann der Patient seine Lebensenergie konstruktiv und frei nutzen.

Das Leben wird in dem Augenblick lebenswert, in dem die Bedrohung und Erwartung von Isolation gebannt ist.

 

Ein weiteres kleines Arzneimittel ist Sarracenia purpurea. Diese Arznei trägt die Thematik der Schande. Schande läßt sich unterschiedlich erfahren und damit unterschiedlich definieren. So empfand früher eine unverheiratete, schwangere Frau Schande, genau wie es vielleicht eine vergewaltigte Frau tat, die sich und ihr Kind aus Verzweiflung möglicherweise im Fluss ertränkte. Für diese Lebenssituation der Schande ist Sarracenia das Mittel der Wahl. Befinden sich diese dramatischen Erlebnisse als Traumata im Unbewußten, ist dieser Mensch prädestiniert für eine Depression. Er wird sich kaum in voller Freude und Größe entfalten und sein Leben genießen. Er wird immer, wenn auch unbewusst, darauf warten, dass seine alte Schande ans Tageslicht kommt und wird kontrollieren, dass eine ähnliche Situation sich im Hier und Jetzt nicht wiederholt. Genau damit, mit dieser Kontrolle, baut er Erwartungsangst auf.

 

Lassen wir die Arznei Sarracenia als tiefenpsychologischen Grund für eine Depression gelten, dann wird der erfahrene Homöopath die Folgemittel von Sarracenia in Erfahrung bringen, welche zum Teil in den Polychresten zu finden sind. Eines der Folgemittel von Sarracenia ist das bereits oben genannte Mittel Sepia succus. Ebenso folgen Calcium carbonicum, Platinum metallicum  und Pulsatilla pratensis.

Geht der wissende Homöopath so vor, dass er zunächst versucht das tiefenpsychologische Trauma aufzudecken und nutzt dann in Ergänzung die in der Repertorisation deutlich errechneten Polychresten, wird die Heilung eines depressiven Patienten sehr viel schonender für alle Beteiligten ablaufen.

 

Ein äußerst verbreitetes tiefenpsychologisches Thema für Depression finden wir in der homöopathischen Arznei Hippomanes, der Allantoishaut des Pferdeembryos. Im Hippomanes ist die Lebenssituation dieses Menschen beschrieben, der sich schon als ungeborene Seele mit der Mutter verabredet, um deren Leid mit zu tragen. In der Hippomanes-Lebenssituation werden embryonal die negativen Erfahrungen der Mutter miterlebt und als eigene angenommen, im Sinne von geteiltes Leid ist halbes Leid. Da in diesem embryonalen Zustand noch keine eigene Kritikfähigkeit existiert, nimmt der Embryo die Gefühle der Mutter als wesentliches Erlebnis, und damit auch als Beurteilungsgrundlage seiner Umwelt wahr. Bekanntermaßen hinterläßt die Embryonalzeit sowie die frühe Kindheit wesentliche Prägungen von denen das spätere Verhalten des Menschen abhängt.

Erlebt das Embryo leidvolle Situationen der Mutter und werden diese übernommen, dann ist es später für den Depressionspatienten fast unmöglich die Ursachen seiner Depression herauszufinden, da sie nicht in seiner eigenen Person verursacht sind. 

 

Der Patient reagiert in seinem Leben als hätte er die Erlebnisse seiner Mutter selbst durchgemacht, nur er hat keinen direkten Bezug dazu. Erst die Gabe von Hippomanes bringt die Verbindung und löst die Enge Kette zwischen Mutter und Kind. Bleibt diese Verbindung unerkannt, zeigt sich die Problematik z. B. darin, dass das inzwischen selbst erwachsene Kind, bis zum letzten Atemzug der Mutter helfen will und verzweifelt ist wenn die Mutter stirbt, ohne dass die Hilfe und Entlastung angekommen ist und auch angenommen wurde.

Diese Prozesse laufen grundsätzlich unbewußt ab, sind aber Schlüssel für vielfältige scheinbar unerklärliche Lebenssituationen.

 

Die Folgemittel von Hippomanes sind wiederum bekannte, oben genannte Polychreste, wie Natrium Muriaticum und Aurum metalllicum.

Wird Hippomanes verabreicht, können Natrium oder Aurum, evtl. beide in Ergänzung schnell auflösend wirken und den Patienten in kurzer Zeit heilen.

Bei der Behandlung von Depressionen ist es immens wichtig, die Ursache für die, nennen wir es Lebensverweigerung oder -einschränkung, zu finden. Ist das ursächliche Thema gelöst, löst sich auch die Depression in nichts auf und der Patient wird sich und sein Leben völlig anders betrachten. Gelegentlich wird die Problematik des Depressionspatienten noch komplizierter, da sich zu einem solchen Patienten gern ein „Helfer“ gesellt. Einer, der dem Depressiven zur Seite stehen will und ihn bemitleidet.

Dieser bewirkt oft, dass sich der Patient möglichst nicht verändert. Existieren Familienstrukturen in denen die Heilung durch vernetzte Abhängigkeiten erschwert wird, ist es sinnvoll die „Helfer“ mitzubehandeln damit nicht im Sinn einer Gruppendynamik die Depression erhalten bleiben muß. Diese Behandlung von Depression ist ein sehr kompliziertes und oft auch vielseitiges Unterfangen bei der es nicht ausreicht nur den Depressiven selbst zu behandeln, sondern auch die ganze dazugehörige Familie muß genauer unter die Lupe genommen werden. Sind diese bindenden Vernetzungen gelöst entstehen Freude und Lebenslust.