In diesem Artikel behandelt Antonie Peppler die wichtigesten Ursachen für Angst bzw. Angststörungen und beschreibt die wichtigsten homöopatischen Mittel in diesem Zusammenhang. Die Homöopathie bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die Themen, die mit der Angst assoziiert sind, zu entwerten. Zudem gibt es eine ausführliche Beschreibung eines Fallbeispieles, wie eine mangelnde Persönlichkeitsentwicklung zu diffusen Ängsten führen kann.

Schlagwörter: Angst / Angstörung

Homöopathische Möglichkeiten bei Ängsten und Angstzuständen

Angst in Lebenskraft umwandeln

Unsere tiefste Angst
Unsere tiefste Angst ist es nicht, ungenügend zu sein.
Unsere tiefste Angst ist es, dass wir über die Maßen kraftvoll sind.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das am
meisten Angst macht.
Wir fragen uns selbst, wer bin ich – von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin?
Aber in Wirklichkeit – warum solltest du es nicht sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Dein Kleinmachen dient nicht der Welt.
Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen.
Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem!
Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis das Gleiche zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.

– Nelson Mandela

Das Problem „Angst“ wird äußerst treffend in diesem Gedicht von Nelson Mandela beschrieben. Hierbei wird deutlich, dass die Menschen, die Ängste produzieren, letztlich Angst vor ihrer eigenen Kraft und vor ihrer eigenen Kreativität haben.
Das Wort Angst kommt ursprünglich von dem Wort Enge. Die Menschen engen sich also ein, machen sich bzw. stellen sich hilflos. Vielleicht um
etwas zu erreichen?

Angst durch Persönlichkeitsunterdrückung

Es gibt in jedem Leben viele Gründe, sich als Persönlichkeit zurückzunehmen:

Das strenge Elternhaus, das schwache Kind welches die Geschwister beneidet, der Arbeiter, der seine Arbeitsstelle keinesfalls verlieren darf um genügend Geld mit nach Hause zu bringen, der eigentlich clevere Schüler, der sich dumm stellt um nicht in der Klasse negativ aufzufallen. konfliktscheue Persönlichkeiten, die um ihre Vorteile willen lieber schweigt als sich zu outen (nach dem Motto: hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben).

All diese Beispiele zeugen für eine Opferhaltung.

Das sich „klein und hilflos machen“ ist letztlich modern.

In unserer Gesellschaft hat das Opfer große Vorteile, während der Täter eher verdammt wird, es sei denn er ist so stark Täter, dass er bewundert und verehrt wird.

Angstörungen als unterbewusstes Manipulationswerkzeug

Ängste produzieren gehört zum guten Ton. Ängste zu haben bewirkt, dass man Zuwendung bekommt oder mindestens im Gespräch bleibt.

In den Generationen unserer Großeltern und Eltern waren die Menschen noch so mit dem Aufbau ihrer Existenz beschäftigt, dass Ängste selten vorkamen – es war einfach keine Zeit für Ängste, obwohl nach der Kriegssituation das Motiv für Ängste sicherlich noch in stärkerem Maße gegeben war, als es heute der Fall ist.

Ängste sind sicherlich ein Produkt unserer heutigen Gesellschaft, denn bekanntermaßen, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind, die materiellen Wünsche erfüllt sind oder gar Luxus machbar ist, dann kommt es zur Persönlichkeitsentwicklung.

Hier kommt es darauf an, ob der Mensch, der sich zur Persönlichkeit entwickelt, das Leben als Herausforderung ansieht oder ob er in den Ritualen, in denen er seine Existenz gesichert hat, sich Wohlstand erarbeitet hat und vielleicht auch zu Luxus gekommen ist, verbleibt.

Diese Rituale heißen Anpassung, Rollenspiele, Wirtschaftsspiele; „man tut man macht“– fällt nicht auf. Die Persönlichkeit, die das Leben als Herausforderung ansieht, nutzt persönlichen Druck, den sie erlebt, als Möglichkeit zur Erkenntnis. Positive Reibungsfläche hilft sich zu aktivieren, sich selbständig aus sich heraus mit Freude zu entwickeln. Die Menschen leben mit Eigeninitiative, haben Mut zum Risiko und genießen letztlich Lebensfreude.

Angstörungen und Opferrollen aus der Perspektive der Homöopathie

Die viel größere andere Gruppe der Persönlichkeiten, die in der Opferrolle bleiben, müssen irgendetwas mit ihren Kräften tun. Bedauerlicherweise fließt Lebensenergie immer und unaufhörlich. Der Energieüberschuss, der dadurch entsteht, wenn Menschen ihre Initiative und das Leben verneinen, muss irgendwo hin und gestaltet sich in Form von Krankheit speziell in Form von Ängsten.

Ängste sind die Bremsen im Leben.

Positiv ausgedrückt beschreibt die Art der Ängste die Situation, die aufgelöst werden muss. Die geprägte Lebenssituation, die konfliktbeladen ist, wiederholt sich so lange, bis sie befreit ist.

Angstörung Fallbeispiel in der Homöopathie

So kam eine Angstpatientin in die Praxis und erzählte unter Tränen, dass sie vor lauter Ängsten nicht mehr aus dem Haus kann. Sie hat drei Kinder; zwei aus ihrer ersten Ehe und eins aus der zweiten Ehe. Die Ängste waren aufgetreten, nachdem das dritte Kind geboren war.

In der Anamnese wurde deutlich, dass die Ursache dieser Ängste sicherlich in der Beendigung ihrer ersten Ehe zu suchen und zu finden war. Sie hatte eine recht normale Ehe geführt, war mit ihrer Familie im Urlaub gewesen. Sie kamen zurück und zwei Tage nach dem Urlaub stand ihr damaliger Ehemann auf, erzählte ihr ohne jeglichen Streit, dass es ihm reiche, packte seine Koffer und ging ohne jede Erklärung.

Tiefere homöopathiesche Analyse der Angst

Diese Ehe musste also die Folge des typischen Mann/Frau-Rollenspiels gewesen sein. Wahrscheinlich war ohne Hinterfragen der eigenen Persönlichkeit geheiratet worden. Das Vorbild der Eltern wurde nachgemacht, die Ehe lief so im üblichen dahin, die Langeweile war zunächst einmal nicht spürbar, weil die Kinder kamen. Dann hatte allerdings der damalige Ehemann im Rahmen seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung, diewohl unterdessen erwacht war, begriffen, dass dieses Rollenspiel für ihn unerträglich wurde und konnte sich selbst wohl kaum die Beweggründe für sein Handeln erklären, geschweige denn seiner Frau, die sehr entsetzt war und sich plötzlich als Verlassene mit zwei Kindern wiederfand. Die Beziehung hatte keine Reibung, es war nie gestritten worden, Reizlosigkeit und Langeweile war als Selbstverständlichkeit hingenommen.

Nach ungefähr drei Jahren heiratet die Patientin einen anderen Mann. Das Spiel begann von vorne, es kam ein Kind und nach der Geburt des Kindes setzten die Ängste ein.

Ängste und fehlende Persönlichkeitsentwicklung

In diesem Fall stehen die Ängste für die fehlende Persönlichkeitsentwicklung der Frau. Hätte sie mehr auf ihr Innerstes gehört, wäre zumindest ein Entscheidungsprozeß notwendig gewesen, der ihr Leben bestimmte. So ist sie im Rollenspiel verblieben und zog das „Ehespiel“ zum zweiten Mal durch.

Da aber der Schock des ersten Verlassenwerdens noch tief in ihr verhaftet war, entstanden Ängste. Ängste die sie scheinbar bestimmten,die sie nicht mehr aus dem Haus gehen ließen, die sogar so stark wurden, dass sie selbst ihre Kinder nicht mehr ausreichend versorgen konnte.

Tiefenpsychologisch gesehen wollte die Frau ihre Kinder nicht mehr versorgen, weil sie unbewusst ihre Kinder als die Ursache ihres Leids ansah.

Angst und Kontrollzwang

Der Wunsch, Zuhause zu bleiben, den sie als Zwang aufgrund ihrer Ängste empfand, war nichts anderes als Kontrolle. Kontrolle war wichtig geworden, damit ihr ja nicht wieder etwas so schreckliches, wie Verlassen werden, passiert.

In der Anamnese wurde noch deutlich, dass sie stark das Gefühl hatte, von ihrem zweiten Mann nicht geliebt zu sein, sondern dass er sie nur geheiratet hatte, um versorgt zu sein. In dieser Äußerung reflektiert sie ihre eigene Situation, die ihr allerdings unbewusst bleibt. Sie ist so starkin dem Rollenmechanismus der üblichen Familie behaftet, dass die Frage „Ist das Leben eine Herausforderung oder nicht“ nicht gestellt werden darf, vielleicht um nicht aus dem Rahmen zu fallen.

Wer aus dem Rahmen fällt ist Außenseiter, also lieber ein leidendes Opfer als ein ausgestoßener der Gesellschaft.

Angstörung und Selbstbewusstsein

Aus homöopathischer Sicht handelt es sich bei der Patientin um einen schweren Selbstbewusstseinszusammenbruch, der letztendlich, positiv gesehen, einen Entwicklungsschub auslösen kann, wenn der Menschbereit ist, sein Schicksal anzunehmen. Wenn nicht, bleibt er in der Opferrolle und damit in den Gesellschaftsnormen, wird bedauert und entwickelt sich nicht weiter.

Im Folgenden seien einigen homöopathische Arzneien vorgestellt, die wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung sind und aus der Rubrik Angst im Kent ́schen Repertorium als dreiwertige oder mindestens zweiwertige Arzneien entnommen sind.

Mit der Persönlichkeitsentwicklung sei der Prozess eines Menschen beschrieben, der ihn aus unbewusster Anpassung an andere, schlimmstenfalls aus der Opferrolle, über einen Bewusstwerdungsprozess zur Individualität führt.


Homöopathische Mittel bei Angstzuständen

Arsenicum album – Die Falle der Existenzangst

Angst vor dem Tod durch Gewalt. Existenzangst. Lieber Sterben als sich verändern. Alte, negative Erfahrungen sind stärker als die Sicherheit, sein Leben selbst bestimmen zu können. Vergessen haben, dass das Außen vom Innen initiiert wurde. Glauben, das Außen nicht beeinflussen zu können. Glaubt, in einer ausweglosen Situation zu sein, in der die äußeren Kräfte stärker sind als daseigene innere Potential.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Stelle dich dem Leben, erkenne die Motive, welche die Situation geschaffen haben!

Aurum metallicum – Der Selbstwertzusammenbruch

Fehlendes Selbstwertgefühl. Sich von Menschen oder Zielsetzungen (Erfolg) abhängig machen. Nicht auf die innere Stimme vertrauen. Ziele erreichen wollen, ohne dabei auf innere Bedürfnisse zu achten, bis hin zu innerer Leere. Das Individuelle wird der Erfüllung von Zielsetzungen geopfert.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Achte auf deine innere Stimme und folge ihr!

Mezereum – Die unkritische Rolle in der Mann/Frau Beziehung

Ich bin es nicht wert, geliebt zu sein, deshalb entsteht das Rollenspiel Mann – Frau. Der Mann zieht in den Krieg, zur Arbeit, etc. während die Frau Zuhause am Herd bleibt und sich um die Kinder kümmert. Das Rollenspiel gibt Lebensinhalt. Erst, wenn ich in einer Rolle funktioniere, wie alle anderen auch, bin ich es wert, geliebt zu sein.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Außer der Rolle, die du spielst, gibt es noch dich als Individuum!

Acidum fluoricum – Das „ich verstehe Dich nicht“

„Die Chemie stimmt nicht.“ Nicht leben und leben lassen können. Das Recht auf Individualität ging früh (Kindheit) verloren und wurde durch Zwang zur Anpassung ersetzt. Machtkampf verloren. Folgen von Manipulationen. Oft unter Rachegedanken inkarniert. Der Machtkampf ist wichtiger als die innere Harmonie. Sich in einer Situation befinden, in die man nicht passt. Das Gefühl für eigene Bedürfnisse und Sinn für Menschen mit ähnlichen Schwingungen ging verloren. Investitionenin Falsches. Unpassendes ist die Folge. Bevor die Feinde geliebt werden, sollte man seine Freunde besser behandeln.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Spüre dich selbst und gehe deinen Weg!

Cannabis indica – Die unterdrückte Intuition

Individuelle Gefühle sind zugunsten Aussagen und Werten anderer unterdrückt. Das Wahrnehmungsorgan „eigenes Gefühl” ist dadurch manipuliert. Folge ist wenig Selbstachtung, gepaart mit einem hohenAnspruchsdenken, das aber nicht gelebt wird, sondern sich in Vorstellung von Illusionen zeigt.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Nimm deine Intuition und dein Gefühl als wichtig an!

Kalium carbonicum – Die eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen wollen

Ignoranz der eigenen Bedürfnisse. Die Rolle des Entertainers für andere (z. B. Kind als Vervollständigung einer Familie) überlagert das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse. Folge: „ich weiß nicht, was ich will; ich weiß nur, was ich nicht will.“

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Begreife deine Bedürfnisse und erfülle sie dir!

Veratrum album – Der Standesdünkel als Alternative für Persönlichkeit

Selbstverrat, nicht zu sich selbst stehen. Sich anbiedern. Die eigenen Grundsätze verraten, anstatt sie zu leben. Der äußere Status ist wichtiger als die Individualität. Sich nach dem Stärkeren richten, um keine Gewalt erleiden zu müssen.

Carbo vegetabilis – Das Nachahmen anderer verwandelt sich in den eigenen Lebensimpuls

„Assimilation” gegebener Umstände ist nicht möglich. Der Wandlungsprozess von Anpassung an andere in gesunden Egoismus (leben der eigenen Bedürfnisse) wird nicht vollzogen. Es wird für die Interessen anderer gehandelt. Die Intuition sagt etwas anderes als der Verstand, der aber wichtiger zu sein scheint.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

ZB Setze deine Kraft für dich ein, nicht nur für andere!

Drosera – Anderen Persönlichkeitsstrukturen ausgeliefert sein

Artfremdes verdauen wollen. Mit Menschen anderer Wellenlänge meinen, “harmonieren” zu müssen. Manipulieren und manipuliert werden.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Achte und lebe dich selbst!

Secale – Der Außenseiter, der dazugehören möchte

Das „schwarze Schaf“ in der Gemeinschaft. Versuch, durch nicht gemeinschaftskonformes Verhalten als besonders zu gelten. Außenseiterthematik, fühlt sich nicht dazugehörig. Vereinsamung. Leicht resigniert.

Wirkungsimpuls der homöopathischen Arznei:

Stehe zu dir und suche Menschen, die dich zu würdigen wissen!

All diese homöopathischen Arzneien, wobei hier auch nur eine geringe Auswahl getroffen wurde, sind wichtige Hilfsmittel, die in Ängsten gebundene Lebenskraft einer Persönlichkeit wieder in freie, kreative Energie umzuwandeln.

Die Arzneien fördern bei der Persönlichkeit Erkenntnisprozesse, die letztlich eine Entwicklung möglich machen.

Antonie Peppler

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