Sind Kinderkrankheiten wirklich wegzutherapieren?

Die grundsätzliche Frage, die sich überhaupt zum Thema “Krankheit” stellt ist die, ob Krankheit ein rein zufälliges Geschehen ist. Die Schulmedizin geht davon aus, daß der Mensch krank ist, der zu schwach geworden ist, dessen Immunsystem sich den ihn umgebenden Bakterien und Viren nicht mehr genügend zur Wehr setzen kann.

Die Haltung der Schulmedizin zum Thema Kinderkrankheiten

Die Kinderkrankheiten sind davon in gewisser Weise ausgenommen, denn es ist üblich, daß Kinder Kinderkrankheiten bekommen. Manche Kinder bekommen sie, manche nicht. Weitere Gedanken werden daran kaum verschwendet. Über Impfungen versucht man auch Kinderkrankheiten zu vermeiden. Krankheit als Funktionsstörung zu sehen, als mechanischen Defekt einer Maschine, der durch Abnutzung, fehlerhafte Betriebsbedingung oder mangelnde Wartung entstanden ist, dies ist zum großen Teil die Denkweise der Schulmedizin.

Die Missachtung unseres unterbewussten Anteils bei Krankheiten

Bei genauer Betrachtung gibt es durchaus einen Unterschied zwischen einem Lebewesen und einem von Menschen gemachten Gegenstand oder einer Maschine. Der Unterschied ist der, daß der kreative Impuls, der Ideengeber, mit dem Lebewesen eine Einheit bildet. Der göttliche Anteil, wenn Sie so wollen, ist fest verbunden mit dem Lebewesen und bewirkt Wandlung und Entwicklung. Somit hat Krankheit und Heilung immer etwas mit dem Menschen selbst zu tun.

Ganz anders stellt sich dies bei Gegenständen dar, dort ist der Ideengeber von dem Gegenstand getrennt. Ein Mensch hat die Idee einen Gegenstand, z.B. einen Tisch zu kreieren und setzt dies in die Tat um. Die kreierende Person und der Tisch sind zwei nicht vereinte Anteile und somit ist ein Regenerationsprozeß eines Gegenstandes nicht möglich. Ein Tisch kann sich schwerlich selbst regenerieren oder sich restaurieren.

Hinweise in unserer Sprache zur psychologischen Ursache von Symptomen

Achten wir auf unsere Sprache, dann ist diese voll von Aussagen zu der These, daß Krankheit mit dem Menschen selbst zu tun hat. Einen Schnupfen haben nennt sich auch „die Nase voll haben“, die Erkältung steht für „frustriert sein“, der Kopfschmerz symbolisiert das „sich den Kopf zerbrechen“.

Möchte eine Persönlichkeit ihre Lebenssituation verändern, hat aber vielleicht zu wenig Mut durch einen Konflikt hindurch zu gehen, dann wird sie krank. In der Krankheit ist sie oft zur Ruhe gezwungen und sammelt Kräfte, um entweder in den Konflikt zu gehen oder ihre Ignoranz zu stärken. In diesem letzteren Falle, im Falle der Ignoranz, wird allerdings das Thema der Unzufriedenheit in der gleichen oder in anderer Weise wieder in Erscheinung treten und letztlich die Persönlichkeit dazu bewegen, doch die notwendige Änderung im Leben umzusetzen.

Es ist also eine Frage der Sichtweise, ob Krankheit das Produkt eines Zufalls oder der Schwäche ist oder ob Krankheit als Sprache des Unbewußten gesehen wird, die Impulse gibt, die eigene Persönlichkeit zu stärken und den Individualisierungsprozeß überhaupt möglich zu machen.

Krankheit als Möglichkeit zur Entwicklung zur Persönlichkeit

Diejenigen Eltern, die ihre Kinder vor, während und nach einer Kinderkrankheit beobachten, stellen sehr deutlich fest, daß das Kind nach einer durchgemachten Kinderkrankheit große Entwicklungsschritte im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung gemacht hat. In diesem Sinne hat jede Kindererkrankung eine individuelle Aussage, eine individuelle Bedeutung. Dies sei dargestellt an der Erkrankung Mumps.

Mumps – Parotitis epidemica

Mumps (auch Ziegenpeter genannt) zeichnet sich neben Kopf- und Gliederschmerzen und starkem Frieren des Patienten vor allen Dingen durch die Entzündung der Ohrspeicheldrüse mit einer starken Schwellung um das Ohr herum aus. Mumps ist letztlich keine bedrohliche Kinderkrankheit. Das einzig Problematische ist darin zu sehen, kommt die Erkrankung zu wenig nach außen, kann es zu chronischen Entzündungen der Drüsen kommen. Besonders bei Knaben befürchtet man eine Hodenentzündung, die zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Schauen wir uns diese Erkrankung über die Symbolik an, dann macht der kleine Patient „dicke Backen“. Umgangssprachlich bedeutet dies, daß er anfängt sich durchzusetzen. Er entfaltet damit seine Persönlichkeit und sagt, was er will. Findet dieser Prozeß unzureichend statt, dann kommt es zur Komplikation und in diesem Fall ist der Knabe auch im Erwachsensein nicht mehr in der Lage, seinen Prägungsimpuls weiterzugeben, er kann zeugungsunfähig werden.

Mumps aus Evolutionssicht

Beachten wir zusätzlich noch die Evolution des Menschen – wir kommen schließlich aus dem Wasser – dann sind an der Stelle, wo bei Mumps die Schwellung auftritt, früher die Kiemen gewesen. Im Wasser wurden wir noch mitgetragen. Wir haben unser eigenes Gewicht noch nicht gespürt. Unser Gewicht symbolisiert umgangssprachlich auch unsere Persönlichkeit, eine Persönlichkeit ist (ge-)wichtig.

So gesehen beschreibt die Erkrankung Mumps den Aufrichtungsprozeß des Menschen. Aus dem Wasser an Land gekommen, hat er die Aufgabe, sich gerade zu machen, sich aufzurichten, sich zur Persönlichkeit zu entfalten.

Aus dieser Perspektive hat jede Kinderkrankheit ihre eigene Bedeutung, die auf ihre Weise zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Für ein Kind ist es sehr wichtig, diese Kinderkrankheit durchzumachen, um den Individualisierungsprozeß gut bewältigen zu können.

Kinderkrankheiten und Individualität in der Homöopathie

In der Homöopathie haben wir eine Möglichkeit, jeglichen Individualisierungsprozeß stark zu unterstützen.

Jede homöopathische Arznei entspricht einem möglichen seelischen Zustand eines Lebewesens.

Wird ein erkrankter Mensch mit einer homöopathischen Arznei behandelt, so gibt diese an das Unbewußte des Patienten einen Impuls, so daß der Patient einen Entwicklungs- und Erkenntnisprozeß machen kann.

Für die Erkrankung Mumps ist z. B. Pulsatilla ein geeigneter Impulsgeber.

Die Bedeutung von Pulsatilla

Bei einer Frühjahrswanderung z. B. über die Wiesen der Schweiz begegnet man noch recht häufig der Küchenschelle ( Pulsatilla pratensis ). Der vielköpfige Wurzelstock streckt seine weit geöffneten Blüten der Sonne entgegen. Es mutet an, als ob eine Gruppe junger Pubertierender im Gespräch viel Spaß miteinander hätten.

Die Pflanze ist zart, langstengelig, hat zumeist hellviolette Blüten. Der Stengel ist behaart. Bei genauem Hinsehen werden „kleine Widerhaken“ deutlich.

So, wie in der Sonne die Blüte weit geöffnet ist, so rasch wird diese bei trübem Wetter geschlossen und bei schlechter Witterung sogar die Blüte nach unten gewendet. Die Küchenschelle wächst am liebsten auf kalkigem Boden.

Deuten wir die Signatur dieser Pflanze, dann zeigt sich vor unserem inneren Auge folgendes Bild:

Was die Pulsatilla-Persönlichkeit mag:

Die Sonne, das gute Wetter, symbolisieren Wärme, gute Stimmung, angenehme Gemütslage. Gute Stimmung, viel Spaß und oberflächliche Kommunikation, wie Kaffeeklatsch, gemütlicher Biertisch mit Kartenspiel, scheinen der Person, die Pulsatilla benötigt, wichtig zu sein. Je oberflächlicher und unverbindlicher, desto besser.

Was die Pulsatilla-Persönlichkeit nicht mag:

Trübes und schlechtes Wetter symbolisiert schlechte Stimmung, bis hin zum Gewitter, zum Konflikt. Dies mag die Pulsatilla-Persönlichkeit offensichtlich überhaupt nicht. Einen Konflikt offen austragen und lösen? Das muß nicht unbedingt sein. Ein Konflikt bedeutet Konfrontation, bedeutet Auseinandersetzung, bedeutet offen seine Gefühle äußern müssen und zu diesen zu stehen. Die Persönlichkeit müßte sich stellen, müßte ihre Bedürfnisse einfordern, müßte Selbstverantwortlichkeit übernehmen.

Weitere Beobachtungen von Pulsatilla:

Interessant sind auch die zarten Widerhaken am Stengel, denn mit einem Widerhaken kann man sich sowohl irgendwo „anhängen“, als auch jemanden „abwehren“.

Mit Anderen sich in lustiger, oberflächlicher Gemeinschaft wohlzufühlen ist das Eine; mit einem starken Partner, an den man sich hängen kann und der die Konflikte löst, ist das Andere.

Sollte ein Partner einen Konflikt heraufbeschwören, kann man sich ja nötigenfalls „abhängen“ und die Person unverbindlich mit vielen Gefühlsäußerungen, wie z. B. lautes Weinen abwehren. Oder jemanden in Schuld versetzen oder eine Schuld zuweisen, kurz „jemanden emotional beschäftigen“.

Besonders interessant ist, daß die Küchenschelle auf kalkigem Boden wächst. Wenn berücksichtigt wird, daß der Kalk Schutz und Unterstützung symbolisiert, wird die scheinbare Schutzbedürftigkeit von Pulsatilla-Patienten erklärlich.

Wer sich selbst nicht stellt, benötigt ein fremdes Rückgrat, eine starke Unterstützung, die möglichst alle Konflikte abhält und die Garantie für „Friede-Freude-Eierkuchen“ gibt

Über die Arznei Pulsatilla wird dem Mumpserkrankten der Impuls gegeben, zu lernen sich gerade zu machen, sich mit Konflikten auseinander zu setzen, letztendlich sich aufzurichten und konfliktfähig zu werden.

Fazit

Selbstverständlich ist Pulsatilla nicht die einzige Arznei für die Erkrankung Mumps. Sie ist nur ein Beispiel dafür, wie man den Gesundungs- und gleichzeitig den Entwicklungsprozeß eines Menschen hin zur Persönlichkeit unterstützen kann.

Die homöopathischen Arzneien sind etwas völlig anderes als schulmedizinische „Medikamente“, welche die Symptome, die Symptomsprache des Patienten zum Schweigen bringen.

Die homöopathischen Arzneien geben Impulse an das Unbewußte, damit nicht bewältigte Konflikte eines Menschen, die sich sonst in Krankheit äußern, wieder aktiviert und damit verarbeitet werden können.

Ein Kind, das bisher über die Nachahmung gelernt hat, muß irgendwann beginnen, den persönlichen Eigenimpuls im Sinne von Selbstverantwortlichkeit zu aktivieren.

Dazu ist es immens wichtig, Kinderkrankheiten durchzumachen, aber auch ein Segen und äußerst hilfreich, über eine homöopathische Behandlung diesen Entwicklungsprozeß zu unterstützen bzw. unter Umständen erst  wirklich zu ermöglichen.

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